Der Regenmacher: Held unter Haien

Diese Filmkritik zu Der Regenmacher erschien im Mai 1998 auf indonet.de. Für mein Archiv habe ich sie hier neu publiziert. 

Grisham-Filme sind inzwischen ein eigenes Hollywood-Subgenre. Sagt Francis Ford Coppola, Meisterregisseur und Schöpfer des Paten. Scheinbar glauben die Studiobosse, daß die seichten Justizdramen über junge, hoffnungsvolle Anwälte sich auch für die Leinwand eignen. Daß die Romane auf dem Buchmarkt unglaublichen Erfolg hatten, ist unbestritten – wenn das Feuilleton sie auch stets verrissen hat.

Die bisherigen Verfilmungen der feuchten Träume des Juristenliebhabers und verhinderten Anwalts waren jedoch allesamt keine besonderen Kracher. Da erwartet man einiges mehr, wenn sich ein anerkannter Großfilmemacher eines solchen Stoffes annimmt. Die erste halbe oder sogar ganze Stunde vergeht dann aber, ohne daß der Film zu fesseln vermag, aber das kennt man auch von den Büchern.

Ein weiteres Problem der Vorlage konnte auch der alte Mann des Rebellenkinos der Siebziger Jahre nicht ausbügeln: Die drei Erzählstränge lassen sich nicht unbedingt leicht miteinander verknüpfen. Da ist zunächst die Liebesgeschichte zwischen dem obligatorischen, unkorrumpierbaren Junganwalt Rudy Baylor (gespielt von Hollywoods neuestem Wunderkind Matt Damon) und der unter ihrem prügelnden Ehemann leidenden Kelly Riker (Claire Danes, die Julia aus Romeo und Julia). Dann ist da noch der Fall der alten Rentnerin, die ihr Testament aufsetzen will, und bei der Rudy aus Geldmangel einzieht. Die Hauptstory ist aber der Prozeß der armen Familie Black gegen eine superreiche Versicherungsgesellschaft, die sich trotz der abgeschlossenen Police geweigert hatte, die Kosten für die lebensnotwendige Knochenmarkstransplantation des einzigen Sohnes zu übernehmen, einfach weil die Unternehmensphilosophie lautet: Alle Ansprüche werden kategorisch abgewiesen. Beim zweiten Antrag wird erst geprüft…

Da wird wieder einmal der Anwalt zum Beschützer der Entrechteten – und kämpft dabei gegen Feinde und andere Anwaltshaie, die weit besser bewaffnet sind als er. Im Grunde hätte er keine Chance. Wenn nicht die Gerechtigkeit auf seiner Seite wäre. Natürlich sind die Gegner widerlich, seine Mandanten eine schrullige, aber liebenswerte Familie, und der Richter ist im Grunde auch auf seiner Seite. Es ist einfach alles zu klar schwarz und weiß – wenn da nicht die Kanzlei wäre, in der der aufstrebende Rudy anfängt: ein fragwürdiges Hinterhofunternehmen, dessen schmieriger Chef (Mickey Rourke) auch schon bald vom FBI hochgenommen wird.

Aber das ist auch der einzige Kratzer in der Geschichte. Der heldenhafte Anwalt, als Kind von seinem Vater verprügelt, betätigt sich als Beschützer einer verprügelten Ehefrau, als Ersatzenkel einer alten, einsamen Frau, als Hoffnungsschimmer für eine vom Schicksal gezeichnete Familie. Und am Schluß schwört er dem Anwaltberuf ganz ab, da ihn das alltägliche Business zu sehr anwidert.

Wenn doch alle Anwälte so wären…

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