Verrückt nach Mary: Sperma-Barbie und die 4 Kens

Diese Filmkritik zu Ein wahres Verbrechen erschien im Dezember 1998 auf indonet.de. Für mein Archiv habe ich sie hier neu publiziert. Leider habe ich den Film beim ersten Mal nicht verstanden, Asche auf mein Haupt, Hauptsache nix, das klebt.

Flacher gehts nimmer. Das wußte auch der Verleih. Wirbt der für diesen Klamauk-Schinken auch mit dem Spruch „Sperma die Augen auf!“. Wer da eine spritzige Komödie erwartet, liegt vielleicht gar nicht so falsch.Doch was hier spritzt, sind bloß Körperflüssigkeiten. So onaniert in der Pre-Date-Show etwa Ben Stiller, wie von seinem Freund Dom empfohlen. Doch das Sperma entweicht unerkannt – und betritt als Marys Haargel wieder die Bühne. Wer darüber lacht, wird diesen Film genießen.

Das Spiel mit Körpersäften ist nichts Neues, die physical comedy ist ein eigenes Subgenre der Komödie. Jim Carrey hat es in diesem Bereich als Epigone von Jerry Lewis zur wahren Meisterschaft gebracht. Seine überreiche Mimik und Gestik machte selbst Dumm und Dümmer zu einem vergnüglichen, wenn auch sinnfreien Kinoerlebnis.

Das Regisseursteam von Dumm und Dümmer, Peter und Bobby Farrelly, hat es jetzt erneut probiert. Bei Verrückt nach Mary hatten sie aber nicht soviel Glück bei der Darstellerauswahl. Ben Stiller wird in den USA als „coming major star“ gehandelt, Carrey ist ein Mega-Star. Und genauso unterscheidet er sich von seinem Vorgänger in seinem komischen Talent. Ein wenig wirkt er als tolpatschiger Ted wie ein verblödeter Woody Allen, doch bedauern möchte man ihn nie. Cameron Diaz wird als Dummchen in ihre Rolle gezwängt. Anders als etwa in Lebe lieber ungewöhnlich bezaubert sie nie. Da helfen auch vor Schmalz triefende Einstellungen, in denen die Blonde als Schulzeit-Barbie daherkommt.

Tief in den Achtzigern, Jahrzehnt von Haarspray und Hedonismus. Ted verliebt sich in High School-Beauty Mary (Cameron Diaz). Und das Unfaßbare geschieht: Sie lädt ihn zum Abschlußball ein. Dabei haben sonst Typen wie er keine Chance bei Mädchen wie ihr, einem voll-künstlichen Barbie-Clone.

Denn Ted ist ein Loser. Zu gutmütig ist er, und eine Riesen-Zahnspange hat er auch. Als er Mary zum Prom abholen will, zerfällt das frische Glück in tausend Scherben: Beim Toilettenbesuch verfängt sich sein Penis in seinem Hosenschlitz. Mit dem Notarzt wird er ins Krankenhaus gebracht. Das wars mit Mary.

13 Jahre später. Ted ist immer noch verknallt. Ein schmieriger Privatdetektiv, Healy (Matt Dillon), findet Mary wieder, aber auch Gefallen an ihr. Ted erzählt er, sie habe ihr Gewicht wohl verdreifacht. Was nicht stimmt. Mary ist inzwischen Ärztin-Barbie, trägt bauchfrei, nicht mehr pink. Doch Ted und Healy sind nicht die einzigen, die bei der bezaubernden Wunderfee Mary Schlange stehen. Teds verpickelter Freund Dom hat immer noch ein Faible für Marys Schuhe, Tucker, ein Pizzajunge, gibt sich als Architekt aus, um Marys Liebe zu erringen.

Lovefools – das sind sie alle. Streben sie alle nach Mary , ohne an sie nur einen Gedanken zu verschwenden. Sie wollen alle nur eine schöne Frau erbeuten, als Trophäe. Einzig Ted versagt sich diesem Wettrennen und ermöglicht Mary die freie Entscheidung, als er von dannen zieht. Doch so ganz ohne Belohnung dürfen herzensgute Menschen in Hollywood nicht ausgehen…

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