Amore Amore: Wirbelsturm in der Toskana

Diese Filmkritik zu Amore Amore erschien im Dezember 1997 auf indonet.de. Für mein Archiv habe ich sie hier neu publiziert:

Am Anfang steht ein kleiner Windstoß, der bloß einen altersschwachen Wegweiser umfallen läßt. Am Ende ist nichts mehr so wie es war: Der Macho kriegt sein Fett weg, die Klatschtante blamiert sich und der Fernseher funktioniert. Der Grund: ein Wirbelsturm der Gefühle (italienischer Originaltitel: „Il Ciclone“), der das Leben in einem verschlafenen toskanischen Städtchen durcheinanderbringt.

Fünf spanische Flamencotänzerinnen sind auf Tour durch Italien. An einem schwülen Sommerabend finden sie ihre Hotelzimmer schon vergeben, da sie ihr Kommen nicht bestätigt haben. Zufällig stranden sie aber auf dem Hof der alteingesessenen Familie Quarini. In diesem Tal der Ahnungslosen – denn weder Handy noch Fernseher funktionieren – finden sie Unterkunft.Und auch sonst sehr viel Gastfreundlichkeit. Der Sohn des Hauses, Levante (Leonardo Pieraccioni, auch Regisseur und Autor), ist sofort verzaubert von der Ballerina Caterina (Lorenza Forteza). Selvaggia (Barbara Enrichi), die lesbische Schwester Levantes, erliegt dem Charme Penelopes, einer Freundin Caterinas. Die Tänzerinnen bringen die Hormone auch der beiden anderen Quarinis – Vater Osvaldo und Sohn Libero – in Schwung.

Aus unerklärlichen Gründen hat der deutsche Verleih den italienischen Film „Il Ciclone“ in Deutschland unter dem Titel „Amore Amore“ veröffentlicht. Denn der Originaltitel trifft den Film viel besser. Die Sommerkomödie lebt nämlich von ihrer Leichtigkeit und Unbeschwertheit, den frischen Farben, der schönen Landschaft und den schönen Menschen sowie von den witzigen Dialogen. Dennoch ist es erstaunlich, daß der Film in Italien alle Besucherrekorde gebrochen hat (über sechs Millionen Zuschauer), da der Plot nicht besonders originell ist. Die Hochglanz-Inszenierung vermag nicht, über die dünne Story hinwegzutäuschen. Auch die Charakterzeichnung ist leider ziemlich eindimensional.

Kassenknüller bleiben in Hollywood selten unbemerkt. Bestimmt läßt ein Remake nicht lange auf sich warten…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.