Armageddon: John McClane als Spacecowboy

Diese Filmkritik zu Armageddon erschien im Juli 1998 auf indonet.de. Für mein Archiv habe ich sie hier neu publiziert:

Kometenfilm zum zweiten: Nach Deep Impact steht jetzt der Einschlag von Armageddon bevor. Diesmal rettet Bruce Willis als verwegener Bohrspezialist die Menschheit vor ihrer totalen Auslöschung. Denn 65 Millionen Jahre nachdem ein Komet die Dinosaurier ausgerottet hat, droht der Erde abermals ein Ereignis galaktischen Ausmaßes. Leider müßten in diesem Fall die Menschen dran glauben. Wenn da nicht Bruce Willis wäre. Zum 134. Mal rettet er die Welt vor ihrem Untergang.

Ein Gesteinsbrocken, der so groß ist wie Texas – und damit mehr als 850 Mal größer als der kosmische Kiesel in Deep Impact – rast auf unseren Heimatplaneten zu. Experten nennen so ein Monstrum einen globalen Killer, der sämtliches Leben auf der Erde vernichten könnte. Da schlägt die Stunde der NASA. 11000 Wissenschaftler, die nur darauf brennen, ihrem Vaterland einen Dienst zu erweisen. Die abstrusesten Möglichkeiten, den Kometen von seiner Bahn abzulenken oder ihn zu zerstören, werden erwogen. Sonnensegel dranpappen, in tausend Trümmer sprengen, die dann in der Atmosphäre verglühen – das kann alles nicht funktionieren. Aber mit so einer Atombombe den Kometen in zwei Teile sprengen, warum eigentlich nicht? So machen es die Cowboys dann auch.

Nur: Wen schickt man ins All, um die kleine atomare Operation auszuführen? NASA-Chef Dan Truman (Billy Bob Thornton) merkt bald, daß seine Vorzeige-Astronauten das Sprengloch nicht bohren könnten. Also her mit dem besten Bohrexperten, den die Weltkugel zu bieten hat – Mr. Bruce Willis, ach ne, Harry S. Stamper heißt er diesmal. Wo ihm beim letzten Mal bloß Milla Jovovich (in Das Fünfte Element) half, stehen ihm diesmal 13 weitere Raumfahrer in Orange zur Seite, ein dreckiges Dutzend der 90er. Sieben von ihnen arbeiten, wenn sie nicht gerade ins All fliegen, auf Harrys Bohrplattform. Die Befürchtungen der Präsidentenberater, eine derart untrainierte Crew ins All zu schicken, sind groß. Aber die Zeit drängt – nur noch 18 Tage bis zum Einschlag…

In Deep Impact blieb eine Frage offen: Wie groß war der Komet, der die Dinosaurier vernichtet hat? Armageddon beantwortet sie. Nicht 42, sondern zehn Kilometer im Durchmesser. Fakten, Fakten, Fakten.

Armageddon ist der beste Action-Film des Jahres. Da kann man es sich schon einmal erlauben, auf der Konkurrenz ein wenig herumzuhacken. Schließlich ist Godzilla bloß ein aufgeblasener Witz… Im Knaller-Genre kommt natürlich die Logik des öfteren zu kurz. Das erwartet man schon vorher – und ist deshalb auch ziemlich tolerant. Viel gibt es erstaunlicherweise auch gar nicht zu bemängeln. Nur: Wieso soll ein 254 Meter tiefes Bohrloch reichen, um den Riesen-Kometen sauber in zwei Hälften zu sprengen? Vielleicht liegt es aber auch an den zehn Drehbuchautoren, die das Projekt verschlungen hat…

Auf alle Fälle hat Regisseur Michael Bay (The Rock) ein rasantes Action-Spektakel inszeniert, in dem das unausweichliche Pathos durch knallige Dialoge, aufregende Special-Effects und gar nicht so noble Charaktere abgemildert wird. Die schnellen Schnitte ziehen den Zuschauer in das Geschehen hinein, er fliegt förmlich mit durch das All…

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