Auf die stürmische Art: Alles andere als ein Hurrikan

Diese Filmkritik zu Auf die stürmische Art erschien im April 1999 auf indonet.de. Für mein Archiv habe ich sie hier neu publiziert:

How to make a blockbuster without special effects – wahrscheinlich haben die Drehbuchschreiber den Studiobossen so ihre Geschichte schmackhaft gemacht. Auf diese Schlagzeile läßt sich Auf die stürmische Art nämlich bringen. Man nehme zwei äußerst sympathische Kassenmagneten (Ben Affleck und Sandra Bullock), lasse sie auf eine Reise gehen, an deren Ende die Liebe triumphiert – und fertig ist die Romanze, die sich nicht als bleischwer oder tranig erweist.Doch selbst wenn es eine Formel für Erfolg gibt – so lautet sie nicht. Der Held, Ben (Ben Affleck), verläßt seine bekannte Umgebung – in diesem Fall das graue New York – um sich dem final commitment zu stellen: Er soll in Savannah seine Verlobte Bridget (Maura Tierney) heiraten. Schon am Flughafen beginnt aber der Trouble: Sein Trauzeuge Alan hat die Ringe vergessen, und das Flugzeug schießt beim Start über die Startbahn hinaus. Und neben ihm sitzt auch noch die Frau, die ihm schon in der Abflughalle unangenehm aufgefallen war: Sarah (Sandra Bullock).

Was ein Zufall, auch sie zieht es nach Savannah – ihr Sohn aus erster Ehe lebt dort, und auch sie möchte sich dort ihrem commitment stellen: für ihn zu sorgen. Gleich dutzendfach stellt sich ihnen auf ihrem Weg in Richtung Süden das Unheil in den Weg: mal als Reisegruppe potentieller Immobilienkäufer, als Unwetter – denn ein Hurrikan zieht vor der Küste Georgias auf (merke: Symbol der psychologischen Entscheidungssituation, deren Ausgang noch nicht klar ist, an dessen Ende aber ein neuer Tag mit blauem Himmel steht) -, als umgeleiteter Zug. Doch eines ist klar: Wie bei allen konventionellen road movies kann die Auserwählten nichts von ihrem Weg abbringen. Ziel ist schließlich Bens face-to-face-Konfrontation mit Bridget, in der er ihr gesteht, sie nicht heiraten zu wollen.

Damit würde er zumindest drei Menschen glücklich machen: Bridgets Eltern, die für ihre Pfirsichtochter lieber einen local boy gehabt hätten, und Steve, Jugendfreund von Bridget, immer noch in sie verschossen – und der erfolgreichste local boy: Er ist Anwalt. Und dann begeht der so konventionell gestrickte Film einen Fehler: Die eigentliche Braut gerät zu süß: so süß und putzig und bemitleidenswert, daß selbst Sandy „Meg-Ryan-die-Zweite“ Bullock keine Chance hat. Ben stellt sich seinem Versprechen und heiratet Bridget – kein Wirbelsturm der Welt kann ihn jetzt mehr davon abhalten.

Wer mit einem Triumph der irrationalen und unergründlichen Liebe auf den ersten Blick gerechnet hat, wird enttäuscht, der Boden öffnet sich unter ihm: Seine Erfüllung sucht der allzu graue Ben im Plan, in der Ordnung einer stinknormalen Ehe. Dabei zelebriert der Film eine Stunde nichts Anderes als das Fundament der Idealvorstellung eines „and they lived happily ever after…“ zu untergraben. Der heiratsscheue Ben fragt nämlich jeden, den er sieht, was er von der Ehe halte. Keiner gibt einen Pfifferling, selbst die heiratswütigen Eltern von Bridget leben getrennt.

So bleibt die Motivation des ein wenig naiven und treuen Bens unergründlich – der vollkommen unbefriedigende Schluß führt dann auch zur Abwertung. Die Pointe mit einer derart reaktionäre Weltsicht widerspricht etwa der Modernität der Inszenierung. Erst zum zweiten Mal hat Bronwen Hughes Regie bei einem Spielfilm geführt – und ihre Vergangenheit als Videoclip- und Werbefilmerin kann sie nicht verleugnen. Das rasante Schnittempo ist für eine romantic comedy ungewöhnlich, und doch bleibt es bloß bunter Zuckerguß auf einem staubigen Sandkuchen. Es sieht zum Anbeißen lecker aus, aber der Bissen geht kaum runter. Und (geistigen) Nährwert findet darin nur Amerikas Christian Coalition.

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