Besser geht’s nicht: Melvin und wie er die Welt sah

Diese Filmkritik zu Besser geht’s nicht erschien im Februar 1998 auf indonet.de. Für mein Archiv habe ich sie hier neu publiziert:

Jack Nicholson als neurotischer Autor von Liebesromanen, Helen Hunt (die Stürmejägerin aus Twister) als Kellnerin, Greg Kinnear (Ex-Talkshow-Host) als schwuler Künstler, Oscar-Preisträger Cuba Gooding Jr. (der schwierige Klient aus Jerry Maguire) als schwuler Galerist und ein süßer Hund.

Wer will das denn sehen?

Die ausländischen Filmkritiker in Hollywood haben den Film jedenfalls zu Recht zur besten Komödie des letzten Jahres erklärt – und den Film und die beiden Hauptdarsteller mit Golden Globes ausgezeichnet. Daß die Golden Globes als Indikator für die Oscars gelten, hat sich auch in diesem Jahr wieder bestätigt. Zumindest sind die Hauptdarsteller und der Film für die Academy Awards nominiert worden.

Kann ein Zwangsneurotiker überhaupt Liebesromane schreiben? Melvin Udall (Jack Nicholson) kann, denn er hat schon 62 Romane verfaßt – obwohl sein Leben alles andere als romantisch verläuft. Denn Melvin ist ein Menschenfeind. So jemanden möchte man nicht als Nachbar haben – davon kann Simon Bishop (Greg Kinnear) ein Lied singen. Besonders wenn jener den geliebten Hund schon einmal in den Müllschlucker wirft. Als der sanftmütige Simon von Strichern, die er porträtieren will, aber ausgeraubt und krankenhausreif geschlagen wird, muß er den Hund bei seinem verhaßten Nachbarn in Pflege geben.

Als der sich in den Hund verliebt, ist es um den Menschenfeind geschehen. Melvin will fortan ein besserer Mensch werden. Da das nicht auf Anhieb klappt, haben die Menschen in Melvins Umgebung noch einige Verbalinjurien zu überstehen. Auch Melvins schlagfertige Lieblingskellnerin Carol (Helen Hunt) wird von dem Beschuß hart getroffen. Aber sie ist die einzige, die dem Erfolgsautor Paroli bieten kann. Und in sie verliebt sich Melvin auch noch…
Zwei Knautschgesichter verleihen in dieser herrlichen Komödie dem ganz normalen Leben Kinoreife: Verdell, der Hund, und Jack Nicholson, der Oscar-Preisträger. Der gibt den sympathischen Widerling ausgesprochen überzeugend – inzwischen spielt er wohl nur noch sich selbst. Helen Hunt überrascht mit ihrer Darstellung einer „ganz normalen“ Frau, die sich als alleinerziehende Mutter rührend um ihren asthmakranken Jungen kümmert und darüber ihr eigenes Leben vergißt. Ganz normal – das ist überhaupt das Stichwort für diesen Film. Die Charaktere sind lebensnah, denn sie haben allesamt Stärken und Schwächen. Auch der Verlauf der Ereignisse ist nicht so vorhersehbar wie in anderen „romantic comedies“ aus Hollywood – ganz wie im richtigen Leben. Da enden Verabredungen schon einmal katastrophal – aber danach rappelt man sich halt wieder auf, und das Leben geht weiter.

Als Kinobesucher erwartet man Entspannung, nicht immer jedoch Normalität. Die hat der Film in Hülle und Fülle zu bieten. Wer das nicht mag, sollte sich „Besser geht’s nicht“ nicht ansehen. Für alle anderen gilt: Selten wirkten in einem Hollywood-Film die Figuren so echt und aus dem Leben gegriffen. Das hat etwas sehr Erfrischendes, denn schmalzige und glattgebügelte Hochglanz-Liebesgeschichten stößt die Traumfabrik nur allzu häufig aus.

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