Tausend Morgen: Legenden der Langeweile

Diese Filmkritik zu Tausend Morgen erschien im Juni 1998 auf indonet.de. Für mein Archiv habe ich sie hier neu publiziert. 

Der Mittlere Westen der Vereinigten Staaten – die oft apostrophierte geistig-moralische Mitte eines riesigen Landes. Dort, irgendwo in den weiten Maisfeldern Iowas, lebt Larry Cook (Jason Robards), Farmer und Patriarch in Personalunion, Vater von drei Töchtern. Als der sein Lebenswerk – die größte Farm des Countys – weitergeben will, treten die Brüche in der mühsam zusammengehaltenen Familienidylle offen zu Tage.

Der Vater erweist sich als altersstarrsinnig. Och ja, das kennen ja viele von zu Hause. Und ein Tyrann war er immer schon. Die Armen. Und die Nachbarn bewundern ihn – er ist der meistrespektierte Mann im Bezirk. Ja, wenn Außen- und Innenwirkung so auseinanderklaffen, ist das schon eine Belastung. Und im Moment der Krise findet man dann noch die Leiche im Keller. Die beiden älteren Schwestern, Ginny (Jessica Lange) und Rose (Michelle Pfeiffer) wurden als Jugendliche von ihrem Vater sexuell mißbraucht. Jetzt reicht es aber!

Diese Aneinanderreihung und Aufeinandertürmung der abgegriffenen Klischees von Kindheitstraumata macht aber noch keinen guten Film. Politische Korrektheit trieft aus jeder Pore, Psychologisierungen werden verschwenderisch benutzt, aber auf eine Geschichte wartet der Zuschauer beinahe zwei Stunden – bis zum Abspann eben – vergeblich.
Nacheinander werden die Lieben und Leiden der drei Schwestern abgearbeitet. Die älteste treibt es auf einem Autofriedhof mit dem Jugendschwarm der zweitältesten Schwester – mit 40 ihre erste Rebellion gegen den strikten Code of Conduct. Die mittlere Schwester hat unter einem prügelnden Ehemann zu leiden. Ach ja, Brustkrebs hat sie auch noch. Die Frage dabei ist: Muß Michelle Pfeiffer sich dafür entblößen, um die Narben vorzuführen? Und die jüngste, Caroline, hat als einzige als Power-Anwältin den Sprung in die große Stadt geschafft. Aber sie schlägt das Erbe aus, obwohl sie Papas Liebling war. Und da schlägt Vati ihr die Tür vor der Nase zu – er will sie nie mehr sehen. Und keine ihre Schwestern protestiert dagegen. Denn im Grunde sind sie froh, daß die verhaßte Kleine endgültig aus dem Haus ist. Denn mit dem Vater haben sie nur geschlafen, um sie vor dem sexuellen Übergriff von Daddy zu schützen…

Vermutlich sind die einzelnen Rückblenden und Kindheitsgeschichten in diesem Melodram kunstvoll zusammengefügt. Das kann ich nicht beurteilen, denn da war ich jedenfalls schon zwei Mal kurz eingenickt. Das Positive an diesem Streifen: Er ist nicht einmal zwei Stunden lang. Dabei wirkt er wie ein drei Stunden langer, bleierner Aufguß der Therapieprotokolle eines amerikanischen Psychiaters. Und für die Michelle-Pfeiffer-Fans empfiehlt sich eher, in ihre Videothek um die Ecke zu gehen, um sich noch einmal Die fabelhaften Baker Boys auszuleihen…

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